Konkurrenzfähig durch ausländische Studenten?

  • 30. July 2007

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Berlin (dpa) - Deutsche Hochschulen können nach Ansicht des designierten Vizepräsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Dieter Lenzen, künftig nur mit Hilfe ausländischer Studenten international konkurrenzfähig sein. «Wir dürfen nicht einfach denken, wir sind das Land der Dichter und Denker und deswegen werden die Spitzenforscher und andere Wissenschaftler schon zu uns kommen», sagte der Präsident der Freien Universität Berlin in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Im Gegenteil: Hochschulen aus den USA und Großbritannien versuchten schon jetzt, über ihre Niederlassungen im Ausland gefragte Köpfe in deren Heimatländern abzuwerben. «Deswegen müssen wir jetzt schnell handeln.»

Lenzen wird an diesem Mittwoch (1. August) seine zweijährige Amtszeit als Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) antreten. Schwerpunkt seiner Arbeit werden die internationalen Angelegenheiten des deutschen Hochschulsystems sein.

«Auch wir müssen es schaffen, dass der deutsche Bildungsmarkt so attraktiv wird, dass ausländische Wissenschaftler an deutschen Dependancen im Ausland studieren oder sogar für einige Jahre hier her kommen», forderte Lenzen. Für das gesamte Wissenschaftssystem sollten Bund und Länder pro Jahr mindestens zehn Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stellen. Zahlreiche deutsche Universitäten und Fachhochschulen unterhalten bereits Bildungseinrichtungen im Ausland, die FU beispielsweise in New York, Peking und Moskau.

«Schon jetzt gibt es bundesweit zu wenig Studenten, um den eigentlichen Bedarf an Forschern zu decken», sagte Lenzen. Die demografische Entwicklung werde zu einem noch größeren Nachwuchsmangel führen als bisher. «Deswegen brauchen wir verstärkt akademischen Nachwuchs aus dem Ausland. Das ist eine nationale Aufgabe.»

Dafür müssten die deutschen Universitäten und Fachhochschulen im Ausland präsenter sein. «Das kann durch Dependancen oder Forschungsprojekte geschehen, durch die auch bereits abgewanderte deutsche Wissenschaftler wieder zurückgewonnen werden können», sagte der 59-Jährige. Wichtig sei auch, dass ausländische Studenten ihre Kurse an deutschen Hochschulen auf Englisch absolvieren könnten.

Außerdem müssten die international vergleichbaren Abschlüsse wie Bachelor und Master so schnell wie möglich flächendeckend eingeführt werden. Ein Programm für die Internationalisierung der Hochschulen will Lenzen in seiner Funktion als HRK-Vizepräsident entwickeln. «Das soll in engster Abstimmung mit den Hochschulen geschehen und eine Anregung für die Politik des Bundes und der Länder sein.»

Derzeit werden in Deutschland rund 50 Milliarden Euro in Wissenschaft und Forschung investiert. Das entspricht laut Lenzen 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Andere Industrieländer investierten dagegen im Schnitt 3 Prozent ihres BIP.

Gespräch: Aliki Nassoufis, dpa

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