Reifen mit Köpfchen

  • 24. September 2003

Reifen mit Köpfchen

Eine neue Sensor-Elektronik macht den Reifen intelligent. Neben Reifendruck und Verschleiß werden auch Informationen über die Vergangenheit des Reifens gesammelt.


Frankfurt/Main - Die zweite Generation von Reifendruck-Kontrollsystemen warnt Autofahrer nicht nur, wenn ein zu niedriger Reifendruck Kraftstoffverbrauch und Reifenverschleiß in die Höhe treibt, sondern informiert auf Wunsch auch über die Vergangenheit des Reifens. Hauptvorteil der neuen Sensorik: Sie arbeitet mit einer indirekten Stromversorgung und ermöglicht auch die elektronische Identifikation der Reifen. Das System wurde von der Siemens VDO Automotive AG gemeinsam mit Goodyear entwickelt.

Der richtige Luftdruck im Reifen sorgt nicht nur für besseren Fahrkomfort, sondern hat großen Einfluss auf die Sicherheit und den Kraftstoffverbrauch eines Autos. Siemens VDO Automotive präsentierte auf der 60. IAA in Frankfurt am Main ein System für Neufahrzeuge, bei dem der notwendige Drucksensor fest in das Reifenmaterial integriert ist. Die Gemeinschaftsentwicklung mit Goodyear besteht aus einem im Unterbau des Reifens eingebetteten Sensor, einer im Reifen integrierten Antenne und einer jeweils im Radkasten sitzenden Sende- und Empfangseinrichtung. Diese versorgt gleichzeitig die Elektronik im Reifen mit Energie.

Abb.: Reifen mit Köpfchen: Die zweite Generation des Reifendruck-Kontrollsystems von Siemens VDO Automotive informiert den Fahrer ganz genau über den Zustand seiner Reifen. (Quelle: Siemens)

Einen Druckverlust erkennt die spezielle Auswertungssoftware und gibt daraufhin eine Warnung mit einer detaillierten Information zu den betroffenen Reifen an den Fahrer weiter. Zusätzlich speichert der Chip im Reifen selbst die Laufleistung und die Anzahl von Kilometern, die im Notlaufbetrieb ohne ausreichenden Luftdruck gefahren wurden. Die Auswertung und Verarbeitung dieser Daten kann entweder in einem eigenen Steuergerät erfolgen oder in das Bordnetzsteuergerät integriert werden.

Die nur wenige Quadratmillimeter große Elektronik misst die Reifentemperatur und mit Hilfe eines mikromechanischen Sensors den Luftdruck im Reifeninnenraum. Da sich dieser Luftdruck durch Parameter wie der aktuellen Geschwindigkeit, Beladung oder Temperatur ändert, benötigt ein Reifendruck-Kontrollsystem einen besonders intelligenten Algorithmus zur schnellen, frühzeitigen Erkennung eines langsam eintretenden Reifendruckverlustes. Die Software erhält über die Empfänger im Radkasten Daten zum Reifendruck und zur Reifentemperatur aller vier Reifen. Über das Datennetz des Autos wertet die Elektronik zusätzliche Daten wie zum Beispiel die Raddrehzahl aus. Damit errechnet die Software den Nominal-Luftdruck. Liegt der tatsächlich gemessene Druck unter diesem aktuell bestimmten Nominaldruck, wird der Fahrer gewarnt. Er kann außerdem den aktuellen Reifendruck oder die von jedem Reifen geleistete Fahrtstrecke zu jeder Zeit abfragen. Da die Sensorik fester Bestandteil des Reifens ist, können nun Reifendaten wie zum Beispiel der Reifentyp direkt an die Fahrzeugelektronik gesendet werden. Davon profitieren auch ABS und andere Fahrwerkregelsysteme.

Quelle: Siemens

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