Komplexe Nanofasern in einem Schritt

  • 04. November 2003



Gießen – Das Gießener TransMIT-Zentrum für Kunstoff-Forschung und Nanotechnologie hat ein Verfahren entwickelt, mit dem neben einfach strukturierten Kompakt- und Hohlfasern vor allem auch komplexe multigeschichtete Nanostrukturen aus unterschiedlichen Materialien (anorganische Gläser, Metalle, Halbleiter) in einem einzigen Arbeitsschritt hergestellt werden können.

War bislang die Palette der zur Herstellung von Nanofaser verwendbaren Stoffe noch sehr eingeschränkt, so ermöglicht das Co-Elektrospinnverfahren nun die Verwendung von nahezu allen bekannten synthetischen oder biologischen Polymeren, sodass auch Stoffe, die sich bisher der Faserbildung entzogen, jetzt zu Nanofasern verarbeitet werden können.

Beim Elektrospinnen wird mittels Anlegen eines starken elektrischen Feldes eine Kunststofflösung oder -schmelze durch eine Düse gezogen und in Richtung einer Unterlage beschleunigt, wo sie sich auf der dort befindlichen Elektrode in geschlungener Form als Nanofaser niederschlägt. Das von den Wissenschaftlern des TransMIT-Zentrums für Kunstoff-Forschung und Nanotechnologie in Kooperation mit einer Forschergruppe des Israel Institute of Technology neu entwickelte Verfahren des Co-Elektrospinnens erweitert dieses Prinzip. Kernstück ist die konzentrische Anordnung von zwei Düsen. Um die erste Düse herum wird kreisförmig eine zweite Düse gelegt, sodass parallel durch Mantel- und Innendüse zwei unterschiedliche Stoffsysteme – wie beispielsweise eine Polymerlösung und ein medizinischer Wirkstoff – unvermischt und in Form eines konzentrischen Materialstrahls auf die Unterlage gepumpt werden können, wo sie sich als komplex aufgebaute und hoch funktionalisierte Nanoröhrchen mit Kern-Mantel- oder Depothohlfaserstruktur niederschlagen.

Mögliche Einsatzbereiche der im Co-Elektrospinnverfahren erzeugten Nanoprodukte liegen in der extremen Wärmeisolation, Spezialfilteranwendungen, dem Züchten von Geweben (Tissue Engineering) sowie der gezielten Freisetzung von Enzymen oder medizinischen Wirkstoffen.

Quelle: TransMIT

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