Tesa contra Produktpiraten

  • 14. November 2003

Tesa contra Produktpiraten

Fälscher von Markenprodukten haben ab sofort einen fast unsichtbaren Gegner: Tesa-Film.

Heidelberg/Hamburg (dpa) - Fälscher von Autoersatzteilen, Medikamenten, Parfüms, Zigaretten, Uhren oder Designermode haben ab sofort einen kleinen, fast unsichtbaren Gegner: Einen blauen Tesa- Film in der Größe von einem Quadratmillimeter. Die «Holospot- Technologie» genannte neue Sicherheitstechnik wurde nach fünfjähriger Entwicklungsphase am Donnerstag in Heidelberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Hilfe des Minifilms, einer verstreckten Polymerfolie, will die Firma «tesa scribos» GmbH Markenprodukte und ihre Verpackungen «garantiert fälschungssicher» machen.

Auf dem nur mit einer Lupe sichtbaren Datenfeld können nach Herstellerangaben individuelle Hologramme und Codierungen in der Größe von einem Kilobyte durch Laserstrahlen angefertigt und dann direkt auf Verpackungen geklebt werden. Computergesteuerte Lesegeräte stellen dann beim Empfänger fest, ob die Ware wirklich vom angegeben Produzenten oder aus einer Fälscherwerkstatt stammt.

So wie hier im Labor soll das im Tesa-Film gespeicherte Hologramm später mit computergesteuerten Lesegeräten automatisch ausgelesen werden - alles "O. K." (Quelle: EML)

«Weltweit beträgt der jährliche Schaden durch Produktfälschungen und Graumarkthandel fast 300 Milliarden Euro», sagte der Erfinder und Physiker Steffen Noethe bei der Vorstellung der neuen Sicherheitstechnik. Neben minderwertigen Plagiaten, die das Original lediglich optisch nachahmen, gelangten zunehmend professionelle Produktkopien auch bei Computersoftware in den Markt. Sie seien selbst für Experten nur noch schwer von den Originalen zu unterscheiden. «Allein in der EU ist die Zahl der beschlagnahmten Produktfälschungen seit 1998 um rund 900 Prozent gestiegen», betont Noethe. Durch gefälschte Medikamente sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weltweit pro Tag über 70 Menschen. Seriöse Hersteller von Pharma-Produkten könnten in der Folge nicht immer lückenlos beweisen, dass es sich bei dem Todesmedikament um eine Fälschung gehandelt habe.

«Bislang eingesetzte Sicherheitstechnologien wie herkömmliche Hologramme, DNA-Partikel oder chipbasierte Systeme haben noch entscheidende Grenzen. Entweder lassen sie sich ebenfalls leicht nachahmen oder sie können keine Daten speichern, die für die Rückverfolgung von Graumarktware erforderlich ist,» erklärt Noethe. Wesentliche Vorteile lägen bei der neuen Sicherheitstechnologie in der hohen Speicherfähigkeit des Materials, der Genauigkeit im Nanometer-Bereich sowie in der Vielseitigkeit der fälschungssicheren Merkmale. Jede einzelne Verpackung bekomme in Sekundenbruchteilen ein eigenes Hologramm und eine Registrierungsnummer zugewiesen, so dass ein verkauftes Produkt einen eigenen Fingerabdruck besitze.

Durch Zufall hatten 1998 Steffen Noethe und drei weitere Wissenschaftler der Universität Mannheim die hohe Speicherfähigkeit von Tesa-Rollen bemerkt und als Patent angemeldet. Mittlerweile wurden in das Unternehmen «tesa scribos» mit seinen 40 Mitarbeitern in Heidelberg zehn Millionen Euro investiert. Die Hamburger tesa AG ist daran zu 75 Prozent, die Wissenschaftler zu 25 Prozent beteiligt.

Christian Jung, dpa

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