Flüssigkristalle für Fernseher

  • 14. November 2003

Flüssigkristalle für Fernseher

Berlin/Darmstadt (dpa) - Klobige Röhren-Fernsehgeräte sollen bald der Vergangenheit angehören - Flachbildschirme erobern zunehmend den Markt. Ihre Bildqualität hat enorm gewonnen dank einer Erfindung der Darmstädter Pharmafirma Merck. Deren Flüssigkristallmischungen machen das Bild hell und scharf und ermöglichen Bildschirmgrößen von LCD-Fernsehern, die noch vor kurzem undenkbar waren.

Bundespräsident Johannes Rau ehrte diese Forschungsleistung des Entwicklungsteams um Kazuaki Tarumi am Donnerstagabend mit dem Deutschen Zukunftspreis. «Glück und Ausdauer» sei sein Motto, sagte Tarumi beim Empfang des Preisgeldes von 250 000 Euro im Deutschen Technikmuseum Berlin. «Beides braucht der Forscher.»

Seit Mitte der 90er Jahre hat das Team um den in Japan geborenen Tarumi systematisch zahlreiche flüssigkristalline Substanzen getestet. Mit der richtigen Mischung ist es ihm gelungen, den großen Nachteil der Flüssigkristallanzeigen (Liquid Crystal Displays, LCD) auszubügeln: die Trägheit. Ihre Entwicklung sorgt für schnelle Schaltzeiten und damit für gestochen scharfe Bilder bei hohem Kontrast.

Bei LC-Displays bildet die Flüssigkristall-Mischung eine dünne Schicht zwischen zwei Glasplatten. Auf den Außenseiten der Glasplatten sind Polarisationsfilter aufgebracht, innen befinden sich Farbfilter sowie transparente Elektroden- und Orientierungsschichten. In Verbindung mit den Polarisationsfiltern agieren die Flüssigkristalle als optische Schalter. (Quelle: Merck)

«Diese Auszeichnung bestätigt die hervorragende Leistung unseres Forscherteams», sagte Merck-Chef Bernhard Scheuble stolz. «Und sie bestätigt auch unsere unternehmerische Entscheidung von vor mehr als 20 Jahren, nachhaltig in die Entwicklung von Flüssigkristallen zu investieren.» Das Unternehmen hält zahlreiche Patente auf diese Materialien und stellt zurzeit 50 der weltweit produzierten 60 Tonnen Flüssigkristalle pro Jahr her. Damit hat sich Merck fast unbemerkt zum Weltmarktführer gemausert. Im dritten Quartal hat das Unternehmen damit rund 120 Millionen Euro umgesetzt.

Nur zwei bis vier Gramm Suspension - eine trübe, unscheinbare Flüssigkeit - werden für einen großen LCD-Schirm benötigt. Die stäbchenförmigen Kristalle werden zwischen zwei Glasscheiben eingefangen. Je nach elektrischer Spannung schaltet die Ausrichtung der Stäbchen auf lichtdurchlässig oder dunkel.

Obwohl schon 1980 die Schweizer Firma Sharp das Liquid Crystal Display erfand, erlebt diese Technik erst jetzt den wirklichen Aufschwung. Im Jahr 2003 werden etwa drei Millionen LCD-Fernseher verkauft werden. Nach Meinung von Experten werden es in fünf Jahren zehn Mal so viele sein.

Die Merck-Entwicklung passt genau in das Ausschreibungsprofil des seit 1997 vergebenen Zukunftspreises, der neben technischem Know-how auch wirtschaftliches Potenzial und die Schaffung von Arbeitsplätzen würdigen will. Merck stellt sich auf eine rapide wachsende LCD- Nachfrage ein. 250 Millionen Euro wurden in eine neue Anlage investiert, die 2004 ihren Betrieb aufnehmen wird. Merck übernimmt nur die Herstellung der Flüssigkristalle, die Bildschirme werden meist in Asien produziert.

Bundespräsident Rau nutzte die Gelegenheit, den verzagten Deutschen noch einmal ins Gewissen zu reden. In einer Zeit, «wo wir Deutschen zum Klagen neigen», wolle er daran erinnern, «dass wir Exportweltmeister sind, obwohl wir so tun, als ob wir kurz nach Bulgarien kommen». Vor zahlreichen Gästen aus Wirtschaft und Wissenschaft betonte er, «wir brauchen wieder mehr Zuversicht und vor allem die Bereitschaft, die vielen grauen Zellen in Bewegung zu setzen.»

Das ZDF strahlt am (heutigen) Freitag um 22.35 Uhr eine Sondersendung zur Verleihung des Zukunftspreises aus. Der Dokumentationskanal Phoenix zeigt ebenfalls heute ab 16.15 Uhr eine Aufzeichnung der Preisverleihung.

Gerald Mackenthun, dpa

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