Geothermie in Deutschland

  • 04. May 2004

Geothermie in Deutschland 

Die Erde birgt einen fast unerschöpflichen Energievorrat - gespeichert in heißem Wasser oder Gestein.

Hamburg (dpa) - Im Grunde genommen hat die Menschheit kein Energieproblem. Wir sitzen quasi auf einem schier unerschöpflichen Energievorrat, gespeichert in heißem Wasser oder Gestein. Denn direkt unter unseren Füßen kocht die Erde: Mehr als 99 Prozent des Erdballs sind heißer als 1000 Grad Celsius, nur die äußerste Erdschicht kühlt auf weniger als 100 Grad ab. Allerdings ist es nicht ganz einfach, diese unterirdische Energiequelle zu nutzen.

Dass so etwas funktionieren kann, hat Island vorgemacht. Die Insel liegt genau auf einer Nahtstelle der Erde. Dort, wo die amerikanische und eurasische Kontinentalplatte langsam auseinander driften, ist die Energie aus dem Inneren der Erde direkt wahrnehmbar, etwa wenn aus den Geysiren heißes Wasser in die Luft schießt. Seit den 1930er Jahren zapfen die Isländer ihre heißen Quellen an, mittlerweile decken sie ihren Strom- und Wärmebedarf zu fast 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Erdwärme auch Geothermie genannt, spielt bei den Isländern dabei naturgemäß eine herausragende Rolle.

Nun ist Deutschland nicht gerade für seine heißen Quellen berühmt. Aber Erdwärme gibt es dennoch im Überfluss. «Allein das Strom-Potenzial unter der Fläche Deutschlands übersteigt den Bedarf um das 600fache», sagt Werner Bußmann von der Geothermischen Vereinigung im niedersächsischen Geeste unter Berufung auf eine Untersuchung des Bundestagsbüros für Technikfolgenabschätzung. Ganz so einfach wie in Island sei es in Deutschland vielleicht nicht, die Energiequelle anzuzapfen. Letztlich müsse man aber nur tief genug bohren.

Für die Wärmegewinnung wird Geothermie auch hier zu Lande inzwischen recht umfangreich genutzt. Bislang ist in größeren und kleineren Anlagen eine Wärmeleistung von etwa 700 Megawatt installiert, sagt Bußmann. Um mit «oberflächennaher Geothermie» Privathäuser, Schulen und öffentliche zu heizen, werden in bis zu 400 Metern Tiefe Wärmepumpen installiert. Diese funktionieren umgekehrt wie ein Kühlschrank: Die Pumpen entnehmen die Wärme aus dem Erdreich, das dabei abkühlt, und heizen damit das Innere des Gebäudes.

Ein anderer Weg ist die «hydrothermale Geothermie» - dabei werden unterirdische Heißwasservorkommen angezapft. Ausreichend große und zugängliche Quellen gibt es in der Norddeutschen Tiefebene, dem Molassebecken zwischen Donau und Alpen, der Schwäbischen Alb und dem Oberrheintal. Wie eine Untersuchung des GeoForschungsZentrums Potsdam ergab, könnten 29 Prozent des Wärmebedarfs mittels der hydrothermalen Geothermie gedeckt werden, die oberflächennahe Geothermie könnte noch einmal 28 Prozent des Bedarfs sichern.

Im mecklenburgischen Neustadt-Glewe wird aus dem heißen Wasser seit kurzem auch Strom erzeugt. Ende vergangenen Jahres ist dort das erste geothermische Kraftwerk Deutschlands ans Netz gegangen. 97 Grad heißes Wasser wird aus etwa zwei Kilometern Tiefe an die Oberfläche transportiert. Das Wasser treibt dann eine Turbine an. Rund 500 Haushalte werden so mit Strom versorgt.

Zudem haben Forscher in den vergangenen Jahren das so genannte «Hot Dry Rock»-Verfahren entwickelt, bei dem die Energie heißen, trockenen Gesteins zur Stromerzeugung genutzt wird. Um die Wärme aus der Tiefe nach oben zu bekommen, wird Wasser eingeleitet. Wie bei einem unterirdischen Durchlauferhitzer wird es am heißen Gestein erwärmt und nach oben zurück befördert. In Bad Urach (Baden-Württemberg) auf der Schwäbischen Alb soll das bundesweit erste Kraftwerk dieser Art entstehen.

In Bad Urach auf der Schwäbischen Alb soll das bundesweit erste Kraftwerk entstehen, dass nach dem so genannten «Hot Dry Rock»-Verfahren arbeitet. (Quelle: Geothermische Vereinigung)

Aus ökologischer Sicht ist nicht nur die Umweltfreundlichkeit der Geothermie bedeutend. Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Windkraft oder Sonnenenergie steht die geothermische Energie permanent zur Verfügung ­ unabhängig von Wetter und Tageszeit. «Damit bestehe die Möglichkeit, die Grundlastversorgung mit Strom bereitzustellen und darüber hinaus Sonnen- und Windenergie zu ergänzen», sagt Claudia Kunz vom Referat Klimaschutz und Energiepolitik bei der Umweltstiftung WWF.

Derzeit stecke das Verfahren allerdings noch in den Kinderschuhen, nennenswerte Einsparung an Kohlendioxid brächte es noch nicht, sagt Regine Günther, Leiterin des WWF-Referats Klimaschutz und Energiepolitik. In ein bis zwei Jahrzehnten könnte das Einsparpotenzial bedeutend werden ­ wenn die ersten Erfahrungen konsequent weiterentwickelt werden.

Anja Garms, dpa

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