Wenn am Äquator die Erde bebt

  • 16. September 2004


Wenn am Äquator die Erde bebt

Im Herbst soll die bisher leistungsstärkste Ariane-Version in Französisch-Guayana zum Jungfernflug abheben.

Kourou/Bremen (dpa) - Für diese Last braucht der Kranführer starke Nerven und Fingerspitzengefühl: Mehr als die vier Tonnen Gewicht am Haken wiegen die rund 200 Millionen Euro Entwicklungskosten des sperrigen Zylinders. Im kleinsten Gang setzt der Kranführer im Raumfahrtbahnhof Kourou die neue Oberstufe ECA vorsichtig auf die Spitze der europäischen Trägerrakete Ariane 5 «ten tons». Das derzeit wichtigste europäische Raumfahrtprojekt ist damit wieder ein Stück vorangekommen: Im Herbst soll die bisher leistungsstärkste Ariane-Version für zehn Tonnen Nutzlast von der Startrampe am Äquator in Französisch-Guayana zum Jungfernflug abheben.

Am 2. März 2004 startete eine Ariane 5 erfolgreich und brachte die Raumsonde Rosetta auf ihren Weg. (Quelle: ESA/CNES/ARIANESPACE/Service optique CSG)

Wenn Ende Oktober die Erde beim Abheben der Ariane 5 bebt, zittern die vom Erfolgsmodell Ariane 4 verwöhnten Raketenbauer in Europa mit. Ihr Traum von einem autonomen Zugang zum Weltraum - unabhängig von Amerikanern und Russen - hat bereits zwei dramatische Rückschläge erlitten: Der Erstflug der neu entwickelten Ariane 5 am 4. Juni 1996 endete in einem Funkenregen über dem Südatlantik, nachdem die Rakete vom Kurs abgekommen war. Und auch der erste Versuch der Schub starken Ariane 5 «ten tons» im Dezember 2002 fiel ins Wasser. Das neu entwickelte Zentraltriebwerk Vulcain 2 wurde heiß. Erneut musste der Sicherheitsoffizier den roten Knopf zur Selbstzerstörung drücken.

«Das ist fast so, als wenn ein alter Bekannter stirbt», erinnert sich ein Ariane-Techniker der ersten Stunde. Auch Horst Holsten denkt mit Schrecken an die Momente zurück, als die Entwicklung mehrerer Jahre zerplatzte: «Da brechen gestandene Männer in Tränen aus», sagt der für Trägerraketen zuständige Direktor des Raumfahrtkonzerns EADS SPACE Transportation aus Bremen.

Trotz der Fehlschläge verbreitet der Manager Optimismus: Der Basisträger Ariane 5 hat mehr als ein Dutzend erfolgreicher Starts hinter sich. Die französischen Entwickler hätten die fehlerhafte neue Zentralstufe inzwischen gründlich überarbeitet. Und auch die bisher nie gezündete Oberstufe aus Bremen sei immer wieder auf den Prüfstand gekommen.

Der erfolgreiche Erstflug der Zentralstufe und die Premiere der neuen Oberstufe haben enorme Bedeutung für das Vertrauen der weltweiten Kundschaft. Auf dem kommerziellen Satellitenmarkt fallen jährlich bis zu 25 Starts an, um die verschiedene Trägersysteme aus Europa, Russland und den USA konkurrieren. Mit einer Nutzlast von bis zu zehn Tonnen liegt die Ariane im obersten Leistungsspektrum und kann gleichzeitig zwei Satelliten in eine geostationäre Umlaufbahn bringen. Im Jahr 2007 soll eine noch stärkere Version fliegen: Die Ingenieure tüfteln bereits an einer wiederzündbaren Oberstufe für eine Nutzlast von bis zu 12 Tonnen.

«Nach dem Start ist also vor dem Start», hat Horst Holsten nach inzwischen 40 Jahren Erfahrung in der Raumfahrt gelernt. «Mit dieser neuen Trägergeneration können wir weiter im Konzert der Großen mitspielen.» Die Zeit bis zum Start im Oktober wollen seine Kollegen noch für zahlreiche Tests nutzen. «Wir sind bester Dinge, aber die Spannung bleibt bis zum Schluss.»

Hans-Christian Wöste, dpa

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