Alternative zum Blindenhund?

  • 30. October 2006

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Ein Siliziumchip könnte manchem Blinden Teile seiner Sehkraft zurückgeben.

Erkrankungen der Augen wie Retinis pigmentosa oder altersbedingte Makuladegeneration führen zum Absterben der Sehzellen auf der Netzhaut und schließlich zum Erblinden. Wissenschaftler und Ärzte der Universitätsaugenkliniken Tübingen und Regensburg testeten nun gemeinsam mit der Reutlinger Firmenausgründung Retina Implant ein Netzhautimplantat an Patienten und kamen zu ermutigenden Ergebnissen: Zwei zuvor erblindete Menschen können dank des Implantats zumindest undeutlich wieder Licht erkennen und Bewegungen verfolgen.

Abb.: Ein Chip auf der Netzhaut soll Blinde wieder zu Sehenden machen. Der grüne Streifen ist das Stromkabel. (Quelle: Retina Implant)

Bei dem Implantat handelt es sich um einen drei Millimeter großen Siliziumchip mit 1500 Pixelfeldern, der die ausgefallenen Sehzellen überbrückt. Er ist mit einer Schicht aus Polyimid überzogen, einem körperverträglichen Kunststoff, der als Korrosionsschutz dient. Jedes Pixelfeld des Chips trägt zwei Mikrophotozellen und ist mit einer Verstärkerschaltung und einer Stimulationselektrode ausgestattet. Die Stimulationselektrode stellt die Verbindung zu den Nervenzellen der Netzhaut, den Ganglienzellen, her. Fällt Licht ins Auge, wandeln die Photozellen es in Strom um. Damit die Ganglienzellen ansprechen, muss dieser Photostrom jedoch zunächst verstärkt werden. Der Chip benötigt derzeit eine externe Stromversorgung, deren Kabel unter der Haut vom Auge hinter das Ohr geführt wird. Dort mündet das Kabel in einen auf der Haut liegenden Stecker, an den sich eine Batterie anschließen lässt.

Bislang experimentierten die Forscher nur mit 16 Elektroden im Auge ihrer Patienten, über die sie die Ganglienzellen direkt von außen stimulierten. Das reichte bereits, um den Patienten das Sehen einzelner Lichtpunkte oder leuchtender Linien bzw. deren Bewegungen zu ermöglichen. Nun stehen Tests mit den 1500 Pixelflächen an. Sollten diese positiv verlaufen, werden die Patienten zumindest schemenhaft in Schwarzweiß sehen können – zu wenig zum Lesen, aber ausreichend, um sich in einem Zimmer zu orientieren. Retina Implant will den Chip innerhalb von zwei bis drei Jahren zur Marktreife bringen. Die geschätzten Kosten von 25.000 bis 30.000 Euro liegen in derselben Größenordnung wie die eines Blindenhundes.

Michael Vogel

Quelle: Physik Journal 5(2006) Nr.11, S. 16

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