Steuerbare Windparks

  • 10. November 2006

Steuerbare Windparks 

Kassel (dpa) - Mit einem neuen System sollen Windparks ebenso wie konventionelle Kraftwerke steuerbar gemacht werden. Damit soll die Lieferung der Windenergie von Schwankungen befreit und voll nutzbar gemacht werden, sagte Professor Jürgen Schmid vom Kasseler Institut für solare Energieversorgung (ISET) am Donnerstag in Kassel. Mit dem «Windpark-Cluster-Management» würden verschiedene Windkraftanlagen zusammengeschaltet und zentral gesteuert. Die Parks könnten dann immer so viel Energie wie benötigt abgeben. «Der Strommarkt kann Dank dieser kleinen Revolution über Windenergie so zuverlässig wie aus einem konventionellen Kraftwerk verfügen, allerdings erheblich flexibler», sagte Schmid.

Bislang ist die Integration der Windenergie schwierig, weil die Anlagen den Strom nicht planbar, sondern sofort und ungedrosselt ins Netz abgeben. «Windkraft gilt als unzuverlässig, weil die Stärke unterschiedlich und zudem unberechenbar ist», sagte Projektleiter Berhard Lange. «Aber irgendwo in Europa weht immer Wind. Mit unserem System gelingt es, das zu koordinieren.» Künftig sollten erst die deutschen und dann die europäischen Windparks in einem Netz zusammengefasst werden und stetig eine berechenbare Strommenge abgeben.

Dazu soll jeder Windpark einen Controller-Computer bekommen, der die verfügbare Energie ständig misst und an einen Zentralrechner übermittelt. Steht mehr Energie als benötigt zur Verfügung, kann die Leistung der Masten gedrosselt werden. Um notfalls die Leistung auch stark erhöhen zu können, rechne das System für jede Windkraftanlage eine Reserve ein.

Im simulierten Laborbetrieb sei das Cluster-Management erfolgreich getestet worden. Ende November laufe eine Pilotphase im niedersächsischen Nienburg an. Gedacht ist das System für große Offshore-Windparks, die vor den Küsten entstehen sollen. Das Projekt wird von den Energieversorgern E.ON und Vattenfall unterstützt.

In Deutschland gibt es nach ISET-Angaben 18 000 Windkraftanlagen - deutlich mehr als in jedem anderen Land der Erde. Noch in diesem Jahr soll die «Schallmauer» von 20 000 Megawatt Gesamtleistung erreicht sein. Diese Zahl ist aber nur eine Nennleistung: Wegen unberechenbarer Windstärken erreichen die Windkraftanlagen tatsächlich nur etwa ein Viertel dessen. Differenzen zwischen Nenn- und Realleistung gibt es allerdings auch bei anderen Kraftwerken.

Bei den Spekulationen über den großen Stromausfall in Westeuropa am vergangenen Wochenende wurde auch eine erhöhte Strommenge aus Windkraftanlagen als mögliche Ursache genannt. Die Windrad-Betreiber wiesen dies jedoch zurück.

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