Kaum Interesse an Jobs in Deutschland

  • 29. August 2007

Hamburg (dpa) - Mitteleuropäische Fachkräfte haben bisher kaum Interesse an den Plänen der Bundesregierung gezeigt, Maschinenbau- und Elektroingenieuren von November an den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa in den neuen EU-Ländern. Ob Tschechien, die Slowakei, Slowenien oder das Baltikum: Vielfach sind qualifizierte Arbeitskräfte auch dort knapp - die Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt entsprechend gut. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen diskutieren zurzeit selbst über Strategien, Gastarbeiter anzuwerben. Auch in Rumänien und Ungarn gab es keinen größeren Widerhall, Interesse signalisierten Experten in Bulgarien.

In der SLOWAKEI sind hochqualifizierte Arbeitskräfte knapp, die Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt deshalb gut. Die Bezahlung liegt deutlich über dem Durchschnitt, im EU-Vergleich sind die Löhne aber eher niedrig (850 Euro brutto). Da in Deutschland aber nicht nur Gehälter, sondern auch Lebenshaltungskosten viel höher sind, rechnet sich ein Umzug für Slowaken nicht immer. Fazit der Industrie- und Handelskammer in Bratislava: Die meisten Slowaken, die zu einem Wechsel bereit sind, haben diesen bereits vollzogen.

In TSCHECHIEN beklagen auch die heimischen Unternehmen, es gebe zu wenig Absolventen in den genannten Studiengängen. Entsprechend sind die Löhne in diesen Berufsgruppen in jüngster Zeit über dem Durchschnittlich gestiegen. Die Qualität der akademischen Ausbildung gilt als hoch und international konkurrenzfähig. Insgesamt wird Ingenieuren kein vorrangiger Wunsch unterstellt, das Land zu verlassen, da sie auch in Tschechien gute Perspektiven haben. Die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer in Prag vermittelte zwar einzelne Fachkräfte nach Deutschland. Allerdings handelte es sich um junge Ingenieure, die eine Stelle bei deutschen Firmen im Grenzgebiet angetreten haben.

In SLOWENIEN suchen weniger als zwei Prozent der Techniker Arbeit in Deutschland, wie es in der Ingenieurskammer Sloweniens (IZS) heißt. Sie vereint 5700 Ingenieure. Hintergrund seien unter anderem bürokratische und sprachliche Barrieren. Ingenieure in Slowenien haben keine Probleme bei der Jobsuche, da es im aufstrebenden EU- Neumitglied «genug Arbeit für alle» gebe. Der durchschnittliche Monatslohn für Ingenieure beträgt rund 3500 Euro brutto. Laut IZS werden immer mehr slowenische Ingenieure auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien eingesetzt. Fachkräfte suchten auch weiterhin eher im Süden ihre Chancen.

In den baltischen Staaten ESTLAND, LETTLAND und LITAUEN boomt die Wirtschaft. Faktisch herrscht Vollbeschäftigung und insbesondere im Bau ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Hunderttausende gut ausgebildete Balten haben zudem bereits die Freizügigkeit des EU- Arbeitsmarkts genutzt und verdienen ihr Geld mittlerweile in Irland, Großbritannien oder Skandinavien. Für die Bereiche Maschinenbau und Ingenieurswesen weisen die amtlichen Statistiken Netto- Durchschnittslöhne von umgerechnet etwa 450 Euro monatlich aus.

Rund drei bis vier Millionen Rumänen arbeiten derzeit bereits im Ausland. Dennoch dürfte «der eine oder andere Ingenieur» aus RUMÄNIEN an einem Job in Deutschland interessiert sein, meint Dirk Rütze, Geschäftsführer der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer in Bukarest. Das Anfangsgehalt im Ingenieursbereich liegt in Rumänien zwischen 500 und 1000 Euro. Ingenieure mit Managementaufgaben bekommen aber schon einmal 50 000 bis 100 000 Euro im Jahr. Nach letzten verfügbaren Statistiken (Stand 2005) waren rund 80 000 Rumänen in Maschinenbau- und Elektrotechnik-Studiengängen eingeschrieben, jährlich sind es demnach etwa 20 000 Absolventen.

In UNGARN gibt es laut Ferenc Ronkai, Geschäftsführer der Budapester Ingenieurskammer, keine arbeitslosen Ingenieure. Das Anfangsgehalt liege zwischen 600 und 800 Euro. Ronkai glaubt, dass ungarische Ingenieure nur nach Deutschland gehen, wenn sie dort mindestens das Doppelte verdienen. Denn vielen ginge es darum, Geld nach Hause zu schicken. Das könnte aber schwierig werden, weil in Deutschland das Leben teurer sei als in Ungarn, sagt Ronkai.

In BULGARIEN ist die Ausbildung von Ingenieuren traditionell gut. Im früheren kommunistischen Ostblock war Bulgarien in diesem Bereich führend. An der Technischen Universität in Sofia sind Computersysteme und Kommunikationstechnik in diesem Jahr die begehrtesten Fachrichtungen. Nicht nur die Absolventen der Deutschen Fakultät dieser Hochschule dürften sich jetzt für die neuen Möglichkeiten in Deutschland interessieren. Der Zugang zum attraktiven deutschen Arbeitsmarkt könnte für das «Partnerland Bulgarien ein schwerer Schlag sein», meint ein Professor in Sofia.

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