Rutscht Deutschland in der Mikroelektronik ab?

  • 22. April 2008

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Hannover (dpa) - Deutschland droht nach Einschätzung des Branchenverbandes VDE ein Abrutschen in der Mikroelektronik. Dadurch sieht der Verband auch große Gefahren für die Gesamtwirtschaft. «In Sachen Mikroelektronik ist der Standort am Scheideweg», sagte Hans Heinz Zimmer, Chef des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), am Montag auf der Hannover Messe. Grund sei vor allem die wachsende Konkurrenz aus Fernost. Zimmer mahnte ein stärkeres Eingreifen des Staates an.

«In Asien locken günstige Rahmenbedingungen, meist kombiniert mit einer stringenten Industriepolitik und großen Absatzmärkten», sagte Wittmann. In Fernost seien zur Zeit 74 neue Halbleiter-Fabriken geplant, in der EU nur fünf, davon lediglich zwei in Deutschland. Die Vorzeigeregion Sachsen - das so genannte «Silicon Saxony» - sei im globalen Ranking bereits von Platz fünf auf Platz acht abgerutscht. Hier setzten 1200 Unternehmen mit 44.000 Mitarbeitern zuletzt sechs Milliarden Euro um.

Zimmer forderte ein «klares Ja» zu einer europäischen Industriepolitik. Sonst riskiere die EU, einen der «wichtigsten Innovationsmotoren abzuwürgen - mit schwerwiegenden Folgen für andere Branchen». Gerd Teepe, Leiter des Design Center des Prozessorherstellers AMD in Dresden, sprach von einer «Hebelwirkung». Er führte als Beispiel die USA an, wo die Mikroelektronik zwar nur 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmache, aber für 25 Prozent des Wachstums in den vergangenen Jahren stehe. «Die Old Economy braucht die Mikroelektronik, weil sie so eine starke Innovationskraft hat.» So steckten zum Beispiel die meisten Neuerungen am Auto heute in der Elektronik.

AMD ist neben Infineon und Qimonda einer der drei größten Arbeitgeber in der Technologieregion Sachsen. Hergelockt wurden die Chipkonzerne kurz nach der Wende nicht zuletzt durch hohe Subventionen. Den Beweis für den Sinn der staatlichen Mittel sieht VDE-Chef Zimmer in Dresden geliefert, dem Zentrum des «Silicon Saxony». Zwei Milliarden Euro Strukturfonds-Mittel hätten hier zu zehn Milliarden Euro Steuereinnahmen und Sozialabgaben geführt, rechnete er vor.

In jüngster Zeit können aber nicht einmal mehr hohe Subventionen die Konzerne zum Investieren bewegen. So zögert Qimonda mit dem 1,2 Milliarden Euro schweren Ausbau seiner Dresdner Speicherchip-Fabrik, obgleich das Vorhaben von staatlicher Seite mit 165,5 Millionen Euro unterstützt würde. Die Unentschlossenheit liegt am Preisverfall bei den produzierten Chips, der hohe Verluste zur Folge hat. Dem Qimonda-Mutterkonzern Infineon und AMD geht es nicht besser. Auch sie schrieben zuletzt tiefrote Zahlen.

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