VW und Lichtblick wollen Energiemarkt aufrollen

  • 11. September 2009

Der Energieversorger Lichtblick und der Autobauer Volkswagen wollen gemeinsam den milliardenschweren Energiemarkt in Deutschland aufrollen. Die beiden Unternehmen wollen mit Minikraftwerken für zu Hause umweltfreundliche Energie liefern und damit den Ausstieg aus Atom und Kohle beschleunigen. VW und Lichtblick besiegelten am 9. September 2009 im VW-Werk Salzgitter ihre Partnerschaft. «Das ist eine echte Revolution für den Strommarkt», sagte Lichtblick-Vorstandschef Christian Friege.

Der Hamburger Energieversorger will von 2010 an in den kommenden Jahren zum Beispiel in Wohnhäusern 100 000 Minikraftwerke installieren, die von einem VW-Gasmotor angetrieben werden. Dies entspreche einer Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Der Kunde zahle für die Installation der Minikraftwerke 5000 Euro.

Die «ZuhauseKraftwerke» liefern Wärme für Heizung und Wasser und können, wenn sie über eine Leitstelle in Hamburg miteinander vernetzt werden, zugleich Ökostrom ins Netz einspeisen. Der Strom soll dann produziert werden, wenn die Windräder still stehen und die Nachfrage hoch ist. Lichtblick sprach von «Deutschlands größtem Gaskraftwerk».

Der sogenannte SchwarmStrom von Lichtblick stehe innerhalb von einer Minute zur Verfügung, hieß es. Dagegen brauche ein Atomkraftwerk einen Tag, um angefahren zu werden. Dies aber sei zu langsam, um die kurzfristigen Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie im Stromnetz auszugleichen.

Die Minikraftwerke im Erdgasbetrieb mit einem VW-Motor sparen laut Lichtblick bis zu 60 Prozent Kohlendioxid (CO2) gegenüber der herkömmlichen Wärme- und Stromerzeugung. VW ermögliche eine Serienproduktion zu Preisen, die Lichtblick den Eintritt in den Massenmarkt ermöglichten.

Lichtblick hat große Pläne: Die Zahl der Kunden soll in den kommenden Jahren von derzeit 550 000 auf zwei Millionen steigen, das Unternehmen will die Nummer fünf in der Branche werden, nach den vier führenden Stromriesen in Deutschland.

VW-Vorstandsmitglied Werner Neubauer sagte, für VW sei die Produktion der Minikraftwerke ein «Zusatzgeschäft», das aber rund 300 Jobs sichere. Die Zusammenarbeit passe auch in die Umweltstrategie von Volkswagen.

Der Betriebsratschef in Salzgitter, Andreas Blechner, sagte, VW müsse sich verstärkt Gedanken über neue Produkte abseits des Autos machen. Das weltweite Wachstum in der Automobilindustrie finde in den kommenden Jahren größtenteils auf Märkten außerhalb Westeuropas statt. Es komme aber darauf an, auch die Beschäftigung in den deutschen VW-Werken abzusichern.

Blechner betonte die Bedeutung der VW-eigenen Komponentenfertigung - etwa Motoren und Getriebe. Der frühere Chef der Marke VW, Wolfgang Bernhard, wollte die VW-Komponentenfertigung mit mehr als 30 000 Beschäftigten dichtmachen, konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

DPA


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AL

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