Prämierte Dünnglas-Forschung

  • 07. December 2018

Fraunhofer IZM-Forschungspreis 2019 geht an Henning Schröder.

Von Stadt zu Stadt, von Kontinent zu Kontinent werden Daten via Glas­faser­kabel optisch in rasender Geschwindig­keit transportiert. Wenn die Daten beim privaten Computer oder im Daten­center ankommen, ist aber Schluss mit der rasanten Über­tragung: Hier läuft alles noch elektrisch, denn eine optische Über­tragung im Rechner ist technisch bisher kaum möglich. Heute werden Stecker gesetzt, die die elektrischen-optischen Anschlüsse mit optischen Kabeln verbinden. Es herrscht „Cyber-Spaghetti“. Um dem Kabel­chaos ein Ende zu bereiten, meinen die Photoniker am Fraunhofer IZM: „Die Optik muss noch näher an den Chip heran gebracht werden.“ Mit der einzig­artigen Dünn­glas-Technologie von Henning Schröder können die optischen Leiter­züge nun sogar direkt an den Chip integriert werden. Damit wird eine sehr schnelle optische Über­tragung von Signalen auch auf der Leiter­platte möglich.

Abb.: Stellvertretender Instituts­leiter Martin Schneider-<wbr>Ramelow, Forschungs­preisträger Henning Schröder, Instituts­leiter Klaus-<wbr>Dieter Lang (v.l.n.r.; Bild: MIKA-<wbr>fotografie, Berlin)

Abb.: Stellvertretender Instituts­leiter Martin Schneider-Ramelow, Forschungs­preisträger Henning Schröder, Instituts­leiter Klaus-Dieter Lang (v.l.n.r.; Bild: MIKA-fotografie, Berlin)

Aber was ist eigentlich Dünnglas? Spätestens seit der Jahr­tausend­wende ist das Material kosten­günstig ver­fügbar. Denn Dünn­glas wird massen­haft hergestellt: Jedes Display, im Smart­phone oder Laptop, besteht aus Dünn­glas. Es bietet zahl­reiche Vorteile gegenüber Polymeren, die heute auch genutzt werden, um optische Leiter­züge in die Leiter­platte zu verlegen: Dünn­glas verfügt über bessere Zuverlässigkeits­werte. Man kann darauf löten, es ist nicht feuchte­empfindlich, und man kann es beliebig klein schneiden. Außerdem hat Dünn­glas eine geringere optische Dämpfung als Polymere und sehr gute di­elektrische Eigen­schaften.

Henning Schröder erklärt: „Wir haben eindeutig auf’s richtige Material gesetzt!“ Es dreht sich immer mehr um das Glas: Für Leiter­platten, photonische Module, Faser­kopplung oder mikro­optische Bänke – in allen Bereichen wendet sein Team die Dünn­glas-Technologie an und entwickelt sie weiter, und das schon seit 15 Jahren. Als der Physiker eine Arbeits­gruppe zum Thema Photonik ins Leben rief, hatte er gerade einmal zwei Mitarbeiter. Heute zählt sein Team 16 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker.

Im Rahmen der 25-Jahr-Feier des Fraunhofer-IZM wurde Henning Schröder am 27. November 2018 mit dem Forschungs­preis geehrt. Dieser besondere Fest­akt in der Kultur­brauerei in Berlin war der passende Rahmen für eine Preis­verleihung, schließlich bietet Schröder mit seiner Dünn­glas-Technologie für photonische System­integration ein weltweites Allein­stellungs­merkmal.

„Der Forschungspreis ist nicht nur eine große Ehre für mich und meine Arbeit als Wissen­schaftler, sondern auch eine Riesen­anerkennung für die tägliche Arbeit meines Teams in unseren Laboren: Wir haben klein angefangen, und dass mir heute dieser Preis verliehen wird, ist auch ein Zeichen dafür, dass die Photonik im elektronischen Packaging angekommen ist. Ich möchte mich bei meinem innovativen Team bedanken und freue mich auf die nächsten Heraus­forderungen.“

Fh.-IZM / DE

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