Google-Suchanfragen und Aktienhandel korrelieren

  • 15. November 2010

Transaktionen an den Finanzmärkten und Suchanfragen im Internet können mit Mitteln der Ökonophysik in Zusammenhang gebracht werden.

Die Finanzmärkte und das Internet als soziales Netzwerk sind eng miteinander verknüpft. Zu diesem Schluss kommt Tobias Preis vom Institut für Physik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einer Untersuchung, die den Aktienhandel mit der Stichwortsuche im Internet vergleicht. „Es hat uns interessiert, ob wir zwischen dem Aktienvolumen an der Börse und der Stichwortsuche bei Google einen direkten Zusammenhang feststellen können“, erklärt Preis. In seiner Arbeit hat er verglichen, wie das Handelsvolumen der 500 US-Unternehmen, die in dem Börsenindex S&P 500 vertreten sind, mit der Google-Suche nach dem entsprechenden Unternehmensnamen zusammenhängt. Für die Jahre 2004 bis 2010 zeigte sich, so das Ergebnis, eine enge Korrelation zwischen den beiden Größen. Die Grundlagen für die Untersuchung liefert ein relativ junges Fachgebiet: die Ökonophysik.

„Die Internetnutzung und die Finanzmärkte können als ein komplexes System vieler interagierender Untergruppen aufgefasst werden, die auf äußere Veränderungen schnell reagieren“, sagt Preis. Internetnutzer geben rund um die Welt täglich mehrere hundert Millionen Suchanfragen ein. Bei Google wird seit 2004 darüber Statistik geführt. Preis verglich in Zusammenarbeit mit Daniel Reith und H. Eugene Stanley (Boston University, USA) die wöchentlichen Daten mit den Fluktuationen am Finanzmarkt: den Aktienkursen und Handelsvolumina, ebenfalls auf Wochenbasis. Untersucht wurden sowohl einzelne Aktien als auch die Entwicklung aller im S&P 500 Index gelisteten Unternehmen insgesamt. Während zwischen Kursentwicklung und Veränderung der Stichwortanzahl kein nennenswerter Zusammenhang zu finden ist, zeigen das Handelsvolumen der Aktien und die Veränderung der Google-Stichwortanzahl eine klare Korrelation. „Man könnte sagen, dass das Suchvolumen die aktuelle Attraktivität, eine Aktie zu handeln, widerspiegelt. Aber es scheinen weder Kauf- noch Verkaufaktionen bevorzugt zu werden“, sagt Reith. Nach Auffassung der Autoren ist es wichtig, die Mechanismen und Abhängigkeiten aufzudecken, die zum Verständnis von Finanzmarktkrisen beitragen. „Eine effektive Krisenbeobachtung könnte zur Stabilität unserer Finanzsysteme beitragen“, so die Einschätzung.

Die Ökonophysik ist eine junge Disziplin, deren Anfänge auf Louis Bachelier zurückgehen, einen französischen Mathematiker, der im Jahr 1900 seine Doktorarbeit „Theorie der Spekulation“ vorgelegt hat und damit als Begründer der Finanzmathematik gilt.

Johannes Gutenberg-Universität Mainz / AL

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