Herdentrieb am Finanzmarkt

  • 07. April 2011

Sowohl große Krisen als auch kurzzeitige Trends gehorchen dem gleichen Gesetz.

Dass es an den Finanzmärkten zu Krisen und selbst zu großen Crashs kommen kann, wie etwa im Jahr 2008, ist kein Zufall und auch keine Überraschung. Vielmehr sind sie die zwangsläufige Folge der sich auf- und abbauenden Trends an diesen Märkten, was auf allen Zeitskalen nach einer ganz bestimmten Gesetzmäßigkeit geschieht. Zu diesem Schluss kommt Tobias Preis in einer Untersuchung, die er am Institut für Physik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführt hat und bei der Methoden und Konzepte aus der Physik zur Analyse von Finanzmarktdaten herangezogen wurden. Preis untersuchte dazu knapp drei Milliarden Transaktionen an den Börsenplätzen in Frankfurt und New York.

Während die ökonomische Herangehensweise meist davon geprägt ist, für Modelle des Finanzmarktes ein System im Gleichgewicht anzunehmen, liefert die Physik Methoden, um nicht-stationäre, dynamische Prozesse, wie sie in der Physik, aber eben auch in komplexen sozialen und ökonomischen Systemen auftauchen, zu beschreiben. Preis fand so bei der Untersuchung von Aktienkursen, Transaktionsvolumina und Zeitintervallen zwischen einzelnen Handelsabschlüssen an den beiden Börsenplätzen in Frankfurt und New York eine Gesetzmäßigkeit, die das Verhalten von Finanzmärkten im Zeitablauf beschreibt: Wenn sich ein Trend oder eine Blase aufbaut, kommt es kurz vor dem Trendwendepunkt – oder im extremen Fall vor dem Crash – zu einem sehr starken Anstieg des Transaktionsvolumens.

Dieses Verhalten, das sich durch ein Potenzgesetz beschreiben lässt, findet sich auch bei den Zeitintervallen zwischen den einzelnen Kauf- oder Verkaufstransaktionen. „Wir können messen, dass die Zeitintervalle zwischen den Transaktionen immer kürzer werden, wenn der Trendwendepunkt näher rückt“, erklärt Preis. Immer mehr Anleger folgen dem Herdentrieb und springen auf den Boom auf. Das Erstaunliche ist dabei, dass diese Potenzgesetzabhängigkeit auf allen Zeitskalen gleichermaßen auftritt: angefangen von Zeitintervallen im Millisekundenbereich – also dem Hochfrequenzhandel – bis zu den Schwankungen über Wochen und Monate.

Durch dieses skalenfreie Verhalten der auf- und absteigenden Trends ließe sich aus den kleinen Trends etwas für die großen Krisen lernen, so Preis. So könnten die Kenntnisse aus der Physik helfen, ein besseres Verständnis von Finanzmarktprozessen zu erhalten.

Universität Mainz / MH

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