Hitzeinsel Innenstadt

  • 06. August 2018

Würzburger Forschungsprojekt analysiert Unterschiede zwischen Stadt und Randgebieten.

Die Hitzewelle geht weiter. Dabei kann es in der Würz­burger Innen­stadt nachts sehr viel wärmer sein als am Stadtrand: Im Forschungs­projekt „Klima­erlebnis Würzburg“ wurde ein Unterschied von 5,4 Grad Celsius gemessen. Juli und August 2018 sind bisher sehr heiß verlaufen; vieler­orts wurden die Monats­rekorde gebrochen. Spitzenreiter war am Dienstag, 31. Juli, die Kreisstadt Bernburg in Sachsen-Anhalt mit 39,5 Grad Celsius. Aber auch in Unterfranken war Schwitzen angesagt: In Kitzingen zum Beispiel zeigte das Thermo­meter 39 Grad Celsius an.

Abb.: Übersicht über die Messstationen im Stadtraum von Würzburg. (Bild: Projekt Klimaerlebnis Würzburg)

Abb.: Übersicht über die Messstationen im Stadtraum von Würzburg. (Bild: Projekt Klimaerlebnis Würzburg)

„Ursache für die Hitze­welle ist sehr warme Luft vom Mittelmeer, die über eine südwest­liche Strömung zu uns gelangt“, erklärt Klima-Experte Heiko Paeth vom Institut für Geographie der Julius-Maxi­milians-Univer­sität Würzburg JMU. Dazu komme eine sehr stabile Wetter­lage mit Hochdruck­einfluss. Diese beeinflusse – mit kurzen Unter­brechungen – seit April das Wetter­geschehen in Deutschland. In vielen Regionen habe sie für extreme Trocken­heit gesorgt. Auch in Würzburg war es in den vergangenen Tagen sehr heiß. Hier haben die acht Mess­stationen des Forschungs­projekts „Klima­erlebnis Würzburg“ Daten gesammelt.

„In der Würzburger Innenstadt haben wir am 30. Juli und am Tag danach Spitzen­werte von 36,6 und 37,0 Grad Celsius gemessen“, sagt Paeths Doktorand Christian Hartmann. „Das ist zwar bei weitem nicht auf dem Niveau des Rekords mit 39,4 Grad vom 7. August 2015, für einen Sommertag jedoch schon sehr beachtlich.“ In der Hitze fiebern viele Menschen den Abend­stunden entgegen, wenn die Luft langsam wieder abkühlt und sie die Wohnung noch einmal richtig durch­lüften können. Dann aber stellt so mancher enttäuscht fest, dass die Luft draußen bei weitem wärmer ist als gedacht.

In der Innen­stadt macht sich der städtische Wärmeinsel­effekt bemerkbar. „Bebaute Gebiete mit ihren Straßen und Häuser­fassaden heizen sich tagsüber stärker auf und können abends schlechter abkühlen als das Umland“, erklärt Hartmann. Besonders in den frühen Nacht­stunden geben Asphalt, Steine und Beton die gespeicherte Wärme wieder ab. Deutlich zeigte sich das beispiels­weise am Montag (30. Juli 2018): Gegen 22 Uhr war es am grünen Ortsrand der stadt­nahen Gemeinde Gerbrunn rund 5,4 Grad Celsius kühler als in der Würzburger Innen­stadt. Dabei liegen die beiden Mess­stationen nur etwa vier Kilometer Luftlinie von­einander entfernt. „Wie lange die Hitze in Deutschland noch bleibt, weiß nur Petrus“ sagt Hartmann. Für die kommenden Tage stünden die Weichen auf jeden Fall weiter für Tempera­turen von über 30 Grad Celsius.

Drei Jahre lang werden das Würzburger Stadt­klima und die Lebens­bedingungen der Stadtbäume genau unter die Lupe genommen: Im Forschungs­projekt „Klima­erlebnis Würzburg“ kooperiert die JMU mit der TU München im Rahmen des Zentrums für Stadtnatur und Klima­anpassung. Das bayerischen Staats­ministerium für Umwelt und Verbraucher­schutz fördert das Projekt. Bei dem Projekt wird unter anderem gemessen, ob die Stadtbäume über genug Wasser verfügen oder wieviel CO2 sie speichern.

JMU / JOL

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