„Carmenes“ findet ersten Planeten

  • 28. December 2017

Exo-Neptun in habitabler Zone um nahen Zwergstern entdeckt.

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Uni Göttingen den modernen Spektrografen Carmenes für die Suche nach erd­ähnlichen Planeten. Jetzt haben die Wissen­schaftler ihren ersten Fund verkündet: Er trägt die Bezeichnung HD 147379b und ist etwas schwerer als Neptun. Sein Mutter­stern ist ein M-Zwerg und nur ungefähr halb so schwer wie die Sonne.

Calar Alto 3,5 Meter Teleskop

Abb.: Kuppel des 3,5-Meter-Teleskops Calar Alto in Südspanien, an dem Carmenes montiert ist. Das größte Teleskop im kontinentalen Westeuropa liegt in 2100 Metern Höhe in der Sierra de los Filabres bei Alméria. (Bild: E. W. Guenther / Carmenes Coll.) Caption

HD 147379b umkreist seinen Stern einmal in 86 Tagen in einem Abstand, der nur etwa ein Drittel so groß ist wie der Abstand der Erde zur Sonne. Damit befindet er sich in der bewohnbaren Zone, in der es Wasser in flüssiger Form geben könnte. Dass sich auf HD 147379b selbst Leben entwickelt, ist allerdings unwahr­scheinlich, da er vermutlich keine feste Oberfläche hat.

„Carmenes ist darauf optimiert, Planeten in diesem Abstand zum Stern zu finden, da dort die Chance auf die Entstehung von Leben als am größten angesehen wird“, sagt Ansgar Reiners vom Institut für Astrophysik der Georg-August-Universität. „Dass unsere erste Entdeckung ein Planet im richtigen Abstand zu seinem Stern ist, zeigt, dass unsere Suche in diesem Bereich besonders effizient ist.“

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Abb.: Umlaufbahn des neuen Planeten HD 147379b um seinen Stern (rechts) im Vergleich zum Sonnensystem (links). Die sogenannte "bewohnbare" Zone, in der sich auch die Erde befindet, ist in beiden Systemen blau dargestellt. (Bild: GAU)

Carmenes wurde gemeinsam von elf deutschen und spanischen Projekt­partnern geplant und gebaut, darunter das Institut für Astro­physik der Univer­sität Göttingen. „Carmenes ist das erste Instrument, das gleich­zeitig optisches und infra­rotes Licht unter­suchen kann“, erläutert Stefan Dreizler vom Institut für Astro­physik. „Das ist entschei­dend bei der Suche nach Planeten um sehr kühle Sterne.“ Carmenes besteht aus zwei Spektro­grafen, die das Licht von Sternen analysieren können und die beide für die Entdeckung von Planeten optimiert wurden.

Das Projekt läuft noch mindestens bis Ende 2020. Die Wissen­schaftler hoffen, ihre Suche auch darüber hinaus fortsetzen zu können. „Für die Entdeckung eines erd­ähnlichen Planeten sind sehr oft mehr als hundert Messungen notwendig“, so der Göttinger Astro­physiker Mathias Zech­meister. „Wenn man nach Planeten bei hunderten von Sternen sucht, braucht man dafür sehr viel Teleskop­zeit.“ Die Deutsche Forschungs­gemein­schaft unterstützt das Projekt mit einer Forscher­gruppe an der Universität Göttingen.

GAU / OD

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