Organischer Sonnenschutz

  • 19. December 2017

Thermisches Modell erklärt seltsames Verhalten des inter­stel­laren Objekts Oumuamua.

Im Verlauf der Entstehung und frühen Entwicklung unseres Sonnen­systems wurde durch gravi­tative Störungen eine große Zahl von Kometen und Astero­iden in den inter­stel­laren Raum hinaus­ge­schleu­dert. Es liegt nahe anzu­nehmen, dass Ähn­liches auch für andere Planeten­systeme gilt. Demnach durch­kreuzt eine große Zahl solcher kleinen Himmels­körper den Raum zwischen den Sternen. Computer­simula­tionen der Ent­stehungs­phase von Planeten­systemen sagen vorher, dass kometen­artige Körper die Popu­la­tion dieser inter­stel­laren Wanderer domi­nieren.

Oumuamua

Abb.: Künstlerische Darstellung des inter­stel­laren Objekts Oumuamua. (Bild: M. Kornmesser, ESO)

Im Oktober konnten Astronomen mit dem automatischen Teleskop Pan-STARRS1 erst­mals ein der­artiges inter­stel­lares Objekt auf­spüren: Die Bahn­exzen­tri­zität des Oumuamua getauften Himmels­körpers beträgt 1,2 – der Orbit ist also ein­deutig hyper­bolisch. Aller­dings zeigte Oumuamua auch bei Annähe­rung an die Sonne zur Über­raschung der Astro­nomen keiner­lei Anzeichen für eine kometen­artige Akti­vität, er bildete weder eine Koma, noch einen Schweif heraus.

Alan Fitzsimmons von der Queen´s University in Belfast und seine Kollegen präsen­tieren jetzt eine mög­liche Erklä­rung für das Aus­bleiben jed­weder Akti­vität bei dem Objekt. Spektro­sko­pische Beob­ach­tungen von Oumuamua mit dem William Herschel Tele­scope auf La Palma, sowie dem Very Large Tele­scope der Europä­ischen Süd­stern­warte ESO in Chile zeigen, dass die Ober­fläche des Objekts reich an orga­nischen Stoffen ist. „Das ist in guter Über­ein­stim­mung mit der theore­tischen Vor­her­sage, dass die lang­fristige Wirkung der kosmischen Strah­lung einen iso­lie­renden Mantel aus orga­ischen Stoffen auf der Ober­fläche eines Himmels­körpers produ­ziert“, schreiben die Wissen­schaftler. Auf diesen Beob­ach­tungen auf­bauend hat das Team ein ther­misches Modell von Oumuamua erstellt. Bereits eine Schicht aus orga­nischen Stoffen mit einer Dicke von nur einem halben Meter würde aus­reichen, so zeigte sich, um den Himmels­körper selbst in seinem Perihel so stark gegen die Strah­lung der Sonne zu iso­lieren, dass unter der Schicht ver­bor­genes Eis nicht ver­dampfen würde.

Doch das Modell hat einen Schwachpunkt, wie Fitz­simmons und seine Kollegen gestehen: Die kometa­rischen Körper in der Oort­schen Wolke unseres Sonnen­systems sind der kosmischen Strahlung ähn­lich lange aus­ge­setzt wie ein den inter­stel­laren Raum durch­que­rendes Objekt. Doch die eisigen Körper der Oort­schen Wolke erscheinen beim Ein­dringen in das innere Sonnen­system als oft spekta­ku­läre Kometen mit aus­ge­prägten Schweifen. Oumuamua sei jedoch im Ver­gleich zu typischen Kometen sehr klein, geben die Forscher zu bedenken. Während Kometen­kerne mehrere Kilo­meter durch­messen, ist der zigarren­förmige Oumuamua vermut­lich nur etwa 230 Meter lang bei einem Durch­messer von sogar nur etwa 35 Metern. Deshalb könnten die flüch­tigen Stoffe in seinem Inneren im Ver­lauf der inter­stel­laren Reise bereits komplett ver­loren gegangen sein. In diesem Fall sollten künftige Spezial­tele­skope wie das im Bau befind­liche Large Synoptic Survey Tele­scope neben weiteren inter­stel­laren Gast­objekten jedoch eine Viel­zahl ähn­lich kleiner und inak­tiver Körper in unserem Sonnen­system ent­decken.

Rainer Kayser

RK

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