Mehr Rohstoffe aus Europa

  • 10. November 2017

EU-Forschungsprojekt Infact soll die Erkundung von Erzlagerstätten optimieren.

Europa soll attraktiver für die Erkundung von Roh­stoffen werden. Partner aus Forschung und Industrie wollen dafür inno­vative, schonende Techno­logien entwickeln und unter realitäts­nahen Bedin­gungen testen. Zu diesem Zweck sollen drei euro­päische Referenz­gebiete in Deutschland (Geyer), Finnland (Sakatti) und Spanien (Gerena, Minas de Ríotinto) etabliert werden. Dazu inves­tiert die EU in den nächsten drei Jahren rund 5,6 Millionen Euro in das neue Forschungs­projekt Infact, in dem sich 17 Partner aus sieben Ländern zusammen­geschlossen haben. Koor­diniert wird das Vorhaben durch das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcen­technologie HIF am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossen­dorf.

Abb.: Hubschrauber dienen als Plattform für innovative Technologien, um Rohstoffe aus der Luft schonend zu erkunden. (Bild: HZDR)

Abb.: Hubschrauber dienen als Plattform für innovative Technologien, um Rohstoffe aus der Luft schonend zu erkunden. (Bild: HZDR)

Die Erzlager­stätten von morgen befinden sich in abge­legenen Regionen und tief unter der Erdober­fläche, sodass auch die Heraus­forderungen an die Techno­logien steigen, um metallische und minera­lische Rohstoffe aufzu­spüren. Der Erfolg neuer Erkundungs­projekte hängt aber zunehmend auch davon ab, ob es gelingt, möglichst viele Interessen­gruppen aus der Zivil­gesellschaft einzu­binden. INFACT – „Innovative, Non-Invasive and Fully Acceptable Explo­ration Techno­logies“ – vereint deshalb Partner aus Wissen­schaft und Forschung, Industrie, staat­lichen Behörden und gemein­nützigen Organi­sationen mit Bevölkerungs­gruppen, die von Explo­ration betroffen sind. Gemeinsam wollen die Akteure schonende Techno­logien entwickeln, austauschen und verbreiten.

Obwohl Europa einer der weltweit größten Verbraucher von metal­lischen und minera­lischen Rohstoffen ist und auf eine lange Bergbau­geschichte zurück­blickt, wird die Erkundung neuer Lager­stätten durch soziale, politische und technische Hürden erschwert. Diese Heraus­forderungen wollen die Projekt­beteiligten in Angriff nehmen. Infact teilt sich in die drei Säulen Dialog, Inno­vation und Reform auf. Mit der Säule „Dialog“ ist das Ziel verbunden, das öffent­liche Bewusst­sein und die gesell­schaftliche Akzeptanz für moderne Erkundung zu steigern.

Bei der Säule „Inno­vation“ geht es um eine neue Generation von Methoden und Prozessen in der Explo­ration, die die Suche nach Erzlager­stätten in Europa erleichtern. Die Techno­logien sind weniger invasiv als klassische Verfahren, das heißt sie verringern die Eingriffe in den Boden und stoßen gleich­zeitig in neue Dimen­sionen vor. Die Wissen­schaftler erwarten sich beispiels­weise höhere Mess­empfindlich­keiten sowie die Bestimmung neuer physika­lischer Eigen­schaften im Unter­grund. Dadurch lassen sich tiefere oder kleinere Rohstoff­körper detek­tieren.

Zudem wollen die Forscher die Erkundung aus der Luft weiter voran­treiben: Sie arbeiten zum Beispiel an Multi­sensor-Drohnen, die unter­schiedliche Mess­sensoren miteinander kombi­nieren, sodass mehr minera­logische Informa­tionen als bisher gleich­zeitig gewonnen werden können. Die Partner werden außerdem supra­leitende Sensoren – SQUIDs – einsetzen, die als die empfind­lichsten magne­tischen Detektoren im Bereich der Geowissen­schaften gelten. Aber auch die Echtzeit­übertragung geophysi­kalischer Messdaten ist ein wichtiges Thema innerhalb des Projekts, um die Erkundung von Rohstoffen zu erleich­tern.

EU-weit fehlen bisher Möglich­keiten, um die neuen Techno­logien unter realitäts­nahen Bedingungen zu testen sowie ihre Leistungs­fähigkeit im Vergleich mit klassischen Verfahren zu bewerten. Es sollen deshalb drei euro­päische Referenz­gebiete einge­richtet werden. Die Techno­logien werden dort von Heli­koptern, Flug­zeugen und Drohnen aus zum Einsatz kommen. Nach dem Ende des Projekts sollen die Gebiete für die globale Industrie lang­fristig zugänglich sein, um neue Explorations­techno­logien zerti­fizieren zu lassen.

Sakatti (Region Nord) ist eine weit­gehend erkundete, aber bisher nicht in Abbau befind­liche Kupfer-Nickel-Platin­gruppen­elemente-Lager­stätte im hohen Norden Finnlands, etwa 150 Kilometer oberhalb des Nörd­lichen Polar­kreises. ;Um die Kleinstadt Geyer im Erzge­birge wird die Region Mitte ange­siedelt. Sie befindet sich etwa 110 Kilometer südlich von Leipzig und hat eine lange Bergbau­tradition. Bekannt sind Vorkommen an Zinn, Zink, Wolfram, Molybdän, Kupfer, Eisen, Silber und Indium. Das südliche Referenz­gebiet in Spanien umfasst zwei Lager­stätten. „Cobre Las Cruces“ ist ein Kupfer­tagebau in Gerena, etwa 20 Kilo­meter nordwest­lich von Sevilla. „Minas de Ríotinto“ ist altes, bekanntes Abbau­gebiet für Kupfer und andere Metalle in der Provinz Huelva rund 65 Kilometer nordwest­lich von Sevilla.

HZDR / JOL

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  • 30. November 2017

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