Schneller Zugriff auf Big Data

  • 30. August 2017

Neues Institut für Datenwissenschaften in Jena gegründet.

Erdbeobachtung aus dem All produziert sie, aber auch die Klimaforschung oder Studien zum Verkehrs­aufkommen auf den Straßen oder in der Luft: Große und heterogene Daten­mengen, deren Speicherung, Vernetzung und Analyse immer aufwändiger werden. Mit dem neuen Institut für Daten­wissenschaften widmet sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Zukunft verstärkt den Heraus­forderungen, die die Digitalisierung und die Industrie 4.0 mit sich bringt. Die DLR-Vorstands­vorsitzende Pascale Ehrenfreund eröffnete jetzt gemeinsam mit Wolfgang Tiefensee, Thüringens Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, und Wolfgang Scheremet, Abteilungs­leiter Industrie­politik im Bundes­wirtschafts­ministerium, das DLR-Institut in Jena.

„Die Datenmengen, auch und gerade im Bereich der Forschung, wachsen nicht mehr linear an, sondern exponentiell", betonte Ehren­freund die Notwendigkeit, auf die heutigen Entwicklungen zu reagieren. „Das neue DLR-Institut wird sich daher unter anderem mit Konzepten für Big und Smart Data, den Anforderungen der Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge beschäftigen. Es wird als Zentrum des Wissens und der Expertise für Data Science mit allen DLR-Instituten sowie Partnern aus Industrie und Forschung in Verbindung stehen." Das neue Institut wird sich vor allem mit Methoden zum Management, der Verarbeitung und Analyse von Daten beschäftigen. Mit diesen Themen werden die Forschungs­bereiche des DLR erweitert, Synergie­potenziale gehoben und neue nationale und internationale Kooperationen ermöglicht.

Matthias Machnig, Staats­sekretär im Bundes­ministerium für Wirtschaft und Energie, sagte anlässlich der Instituts­eröffnung: „Die Digitalisierung unserer Wirtschaft bietet große Potenziale für Innovationen und Produktivität. Das DLR als die größte ingenieur­wissenschaftliche Forschungs­einrichtung der Luft- und Raumfahrt in Europa nimmt hierbei eine ganz wichtige Rolle ein. So wird sich das neue DLR-Institut in Jena vor allem mit Konzepten für Big Data beschäftigen und der Frage, wie immer größere Datenmengen sinnvoll ausgewertet und intelligent genutzt werden können. Mit dem neuen DLR-Institut stellen wir auch unserer Wirtschaft eine leistungs­fähige Forschungs­infrastruktur zur Verfügung." Das neue Jenaer Institut wird mit jährlich 7,8 Mio. Euro durch den Bund und das Land Thüringen finanziert, der Bund trägt dabei neunzig Prozent. Das Land Thüringen stellt darüber hinaus in der Aufbauphase des Instituts die Mittel für die Unterbringung des Instituts in Jena bereit.

„Durch die voranschreitende Digitalisierung fallen in Wirtschaft und Forschung immer größere Datenmengen an. Diese Daten auszuwerten und intelligent zu nutzen, ist eine der großen Chancen, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das DLR-Institut wird dafür einen wichtigen Beitrag leisten", betonte Wirtschafts- und Wissenschafts­minister Wolfgang Tiefensee. „Das neue Forschungsinstitut ist zudem ein weiterer Beleg dafür, dass Thüringen bereits jetzt über eine exzellente Forschungs­landschaft verfügt und Schritt für Schritt zu den führenden Bundes­ländern auf dem Feld der Digitalisierung aufsteigt." Jena sei bereits jetzt in der Spitzen­gruppe der Forschungs­standorte Deutschlands.

Zu Beginn soll das Institut über vier Abteilungen verfügen: Die Abteilung für Daten­management und -analyse von Big Data, also großen, komplexen Daten­mengen, wird erforschen, wie beispielsweise heterogene und unstrukturierte Daten automatisch analysiert und verarbeitet werden können oder auch wie zukünftige Daten­banken für den Umgang mit diesen Daten aufgebaut sein müssen. Die Abteilung „Smart Systems" ist unter anderem auf die Digitalisierung der Industrie 4.0 und das Internet der Dinge ausgerichtet – Bereiche, in denen zunehmend Produkte miteinander vernetzt sind und Daten austauschen.

Zudem sollen – vergleichbar mit der Produktion in der Luftfahrt – auch Raumfahrt­missionen von der ersten Idee über die Konstruktion bis hin zur Durchführung verstärkt über gemeinsame Plattformen virtuell und vernetzt erfolgen. Die Forschung und Entwicklung soll in diesem Bereich in enger Zusammenarbeit mit der Industrie und Raumfahrt­agenturen erfolgen. Weitere Abteilungen setzen ihren Fokus auf die IT-Sicherheit sowie die „Citizen Science", bei der zum Beispiel Daten der Bürger zur Boden­feuchtigkeit genutzt und verarbeitet werden, um Satelliten­daten zur Erdbeobachtung zu kalibrieren. Insgesamt gründet das DLR sieben neue Forschungs­institute zu Themen wie Luftfahrt- und Energie­forschung, Maritime Sicherheit und Software­entwicklung, von denen zwei Institute in den neuen Ländern – in Jena und Dresden – angesiedelt werden.

DLR / DE

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