Ausgezeichnete Detektorentwicklung

  • 20. March 2017

Julius-Wess-Preis 2016 an Robert Klanner verliehen.

Robert Klanner erhält den Julius-Wess-Preis 2016 des KIT-Zentrums Elementar­teilchen- und Astro­teilchen­physik (KCETA) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Der Preisträger ist österreichischer Experimental­physiker und Emeritus der Universität Hamburg. Klanner erhält den Preis für die Entwicklung der Grundlagen von Silizium­spur­detektoren, die in den letzten 33 Jahren zur Entdeckung neuer Teilchen und Vermessung ihrer Eigenschaften geführt haben.

Abb.: Robert Klanner erhält den Julius Wess-Preis 2016 (Bild: DESY)

Abb.: Robert Klanner erhält den Julius-Wess-Preis 2016 (Bild: DESY)

Silizium-Mikrostreifen-Detektoren werden mit Methoden der Mikro­elektronik­industrie gebaut. Sie erlauben eine hoch­präzise Vermessung der Bahnen der Zerfalls­partikel von schweren Elementar­teilchen im Detektor. Ausgenutzt wird der Umstand, dass manche schwere Elementar­teilchen wie etwa das Top-Quark oder das Higgs-Boson in schwere Quarks zerfallen, die eine kurze Strecke durch den Detektor fliegen, bevor sie ebenfalls zerfallen.
Durch die präzise Messung der Tochter­teilchen lässt sich auf die Herkunft der Mutter­teilchen schließen. Die erste Anwendung, für die Silizium­spur­detektoren in den frühen 1980er Jahren konzipiert wurden, war die Untersuchung von Mesonen mit Charm-Quarks. Deren Lebens­dauer­messung konnte Hinweise über die schwache Kraft geben. Die dafür in München und am CERN gebauten Detektoren hatten die Größe eines Chips, wie sie bei Digital-Kameras verwendet werden.

Die Arbeit Klanners war der Grundstein für die rasche Entwicklung von mikro­strukturierten Silizium­detektoren in der Hoch­energie­physik. Silizium­spur­detektoren werden inzwischen in jedem modernen Experiment der Teilchen­physik eingesetzt. Zur Entdeckung des schwersten Elementar­teilchens, dem Top-Quark, die 1995 am Fermilab in Chicago verkündet wurde, war ein Silizium­detektor mit einer empfindlichen Fläche von mehreren Quadratmetern notwendig. Der mit 220 Quadrat­metern größte Silizium­detektor der Welt befindet sich im CMS-Detektor am Beschleuniger­ring LHC des Forschungs­zentrums CERN. Seit 20 Jahren haben mehrere Institute des KIT wichtige Beiträge zu den genannten Experimenten geleistet – zuletzt auch in guter Zusammenarbeit mit dem Institut von Robert Klanner. Auch in Zukunft werden Silizium­detektoren eine wichtige Rolle spielen, so bei der Suche nach exotischen Teilchen jenseits vom Standard­modell und für das Studium des Higgs-Bosons.

Robert Klanner, Jahrgang 1945, studierte in München und promovierte in den frühen 70er Jahren in Protwino in der damaligen UdSSR. Anschließend war er kurz an der University of Illinois, Urbana, in den USA, bevor er 1975 zum Max-Planck-Institut für Physik in München wechselte. Er ging 1984 zum DESY nach Hamburg, um zum Bau des Experiments ZEUS am Beschleuniger­ring HERA beizutragen. Klanner hatte zahlreiche Leitungs­funktionen des ZEUS-Experiments inne, so auch die des Sprechers der Kollaboration. Im Jahr 1996 wurde er zum Professor an der Universität Hamburg berufen. Von 1999 bis 2005 war er Forschungs­direktor des DESY. Robert Klanner war auch langjähriges Mitglied des Vorstandes der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG und Mitherausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nuclear Instruments and Methods in Physics Research A”.

KIT / DE

Share |

Newsletter

Haben Sie Interesse am kostenlosen wöchentlichen oder monatlichen pro-physik.de-Newsletter? Zum Abonnement geht es hier.

Webinar

Simulation optisch großer Bauteile

  • 14. September 2017

Das Model­lie­ren optischer An­wen­dungen wie zum Bei­spiel Richt­kopp­ler, nicht­line­are opti­sche Wellen­leiter, Nano­partikel­ausbrei­tungen sowie Meta­materi­alien ist zur Bewer­tung und Opti­mie­rung von Bau­for­men er­for­der­lich.

Alle Webinare »

Site Login

Bitte einloggen

Andere Optionen Login

Website Footer