Armageddon ohne Ansage

  • 06. March 2017

Asteroideneinschläge auf der Erde zeigen keine Periodizität, sondern folgen Zufallsmuster.

Treten Massenaussterben wie der Niedergang der Dinosaurier und die Entstehung großer Einschlags­krater auf der Erde gemeinsam in periodischen Zeit­räumen auf? „Diese Frage wird nun seit über drei Jahrzehnten diskutiert”, sagt Matthias Meier vom Institut für Geochemie und Petrologie der ETH Zürich. Noch 2015 gaben US-Forscher an, dass Einschlags­krater auf der Erde gehäuft rund alle 26 Millionen Jahre auftreten. „Wir haben hingegen festgestellt, dass Asteroiden-Einschläge auf der Erde nicht in periodischen Zeit­abständen auftreten”, fasst der Erdwissenschaftler zusammen und widerlegt damit die beliebte Hypothese.

Abb.: Ein zum Glück sehr seltenes Ereignis: Ein Asteroid trifft die Erde. (Bild: iStock / Solarseven)

Abb.: Ein zum Glück sehr seltenes Ereignis: Ein Asteroid trifft die Erde. (Bild: iStock / Solarseven)

In der Vergangenheit hatten Forscher sogar die Existenz eines Begleit­sterns der Sonne postuliert. Dieser angebliche, leucht­schwache Zwerg­stern, genannt Nemesis wie die griechische Göttin der Vergeltung, sollte sich alle 26 Millionen Jahre der Sonne nähern und dadurch ein Asteroiden-Bombardement der Erde auslösen, das nächste in rund 10 Millionen Jahren. Doch gefunden wurde Nemesis nie.

Man kennt heute rund 190 Einschlag­krater auf der Erde mit Durchmessern von einigen Metern bis mehr als 100 Kilometern. Ihr Alter beträgt wenige Jahre bis einige Jahr­milliarden. Matthias Meier und seine ehemalige Doktorandin Sanna Holm-Alwmark von der Universität Lund beschränkten sich in ihrer Analyse auf die Krater, die in den letzten 500 Millionen Jahren entstanden sind, seit der Entstehung der ersten komplexen Lebens­formen. Dabei entdeckte Holm-Alwmark, dass einige der in früheren Studien verwendeten Datierungen falsch waren und inzwischen korrigiert wurden. Sie stellte eine Liste von 22 Kratern auf, deren Alter bis auf weniger als ein Prozent genau bekannt ist.

Diese Einschläge analysierte Matthias Meier mit Hilfe der „Circular Spectral Analysis”. Dabei wird die Zeitleiste der Ereignisse um einen Kreis mit einem bestimmten Umfang – in diesem Fall 26 Millionen Jahre – gewickelt. Wiederholen sich in dieser Zeitspanne Ereignisse periodisch, so sammeln sich die dazugehörigen Punkte auf dem Kreis in einem bestimmten Bereich an. In ihrer Arbeit zeigen Meier und Holm-Alwmark nun, dass es keine derartige Anhäufung gibt.

Die Forscher stellten zudem fest, dass einige der Einschläge ein fast identisches Alter aufweisen. „Einige dieser gleich alten Krater könnten beim Aufprall eines Asteroiden entstanden sein, der von einem Mond begleitet wurde”, vermutet Meier. „Doch in anderen Fällen liegen die Einschlag­stellen zu weit auseinander für diese Erklärung.” Dies trifft zum Beispiel auf den 66 Millionen Jahre alten Chicxulub-Krater in Mexiko zu, der mit dem Dinosaurier­sterben in Verbindung gebracht wird, und den praktisch gleichzeitig entstandenen Boltysh-Krater in der Ukraine. „Dafür haben wir noch keine endgültige Erklärung”, sagt Meier. Eine mögliche Ursache könnte ein Zusammenstoß von zwei Brocken im Asteroiden­gürtel gewesen sein. Dabei wären viele Trümmer entstanden, die vielleicht in kurzer Zeit ihren Weg zur Erde fanden.

Sicher ist, dass Krater mit sehr ähnlichen Altern das Ergebnis der Analyse verfälschen können. „Wir haben in unserer Arbeit gezeigt, dass einige wenige dieser sogenannten Einschlag-Cluster ausreichen, um den Anschein von Periodizität zu erwecken”, erklärt Meier. Weil die Forscher in der Studie von 2015 unter anderem diese Cluster­bildung übersehen hätten, seien sie durch die verwendete statistische Methode in die falsche Richtung geführt worden.

ETHZ / DE

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