Gedruckte Kulturgeschichte

  • 21. June 2017

Antike Artefakte mit Hilfe von 3D-Metalldruck originalgetreu repliziert.

Der 3D-Metalldruck eröffnet der Archäologie neue Möglichkeiten in der Nutzung von Funden. Durch die Herstellung einer original­getreuen Replik wird es möglich, Original­objekte wissenschaftlich auszuwerten und gleichzeitig die Repliken in Ausstellungen zugänglich zu machen. Selbst in der Archäologie eröffnet der 3D-Druck völlig neue Möglichkeiten der Dokumentation und Kopie von Artefakten. Jüngstes Beispiel ist eine Replik der Figur eines bronzenen Reiters aus einem frühkeltischen Fürstengrab in der Nähe von Unlingen (Kreis Biberach) in Baden-Württemberg. Auf einer seiner Mlab cusing fertigte Concept Laser nun eine original­getreue Kopie des frühzeitlichen Reiters. Ein fast 2800 Jahre altes Objekt wird aus Pulver gedruckt.

Abb.: Der „Unlinger Reiter“ aus Bronze entsteht als Replik durch pulverbettbasiertes Laserschmelzen von Metallen. (Bild: Concept Laser)

Abb.: Der „Unlinger Reiter“ aus Bronze entsteht als Replik durch pulverbettbasiertes Laserschmelzen von Metallen. (Bild: Concept Laser)

Beim „Unlinger Reiter“ handelt es sich um die Grabbeigabe eines keltischen Fürsten­grabes aus der Hallstatt­zeit. Die Reiter­statuette aus Bronze auf einem Doppelpferd fand sich in einem bereits in der Antike ausgeraubten Wagengrab in Unlingen. Die Bruchkanten an den unvoll­ständigen Beinen des Pferdes weisen darauf hin, dass die Statuette ursprünglich an einem anderen, nicht mehr erhaltenen Objekt angebracht war. Dies kann die Ober­seite eines bronzenen Deckels oder die Fuß­konstruktion eines größeren Bronzegefäßes oder aber ein Möbel, Wagen oder Joch gewesen sein. Aufgrund der übrigen Grab­beigaben lässt sich die Figur in das 8./7. Jahrhundert  v. Chr. datieren. Aus dieser Zeit sind figürliche Darstellungen in Süd­deutschland äußerst selten. Der „Unlinger Reiter“ stellt eine der ältesten Reiter­darstellungen nördlich der Alpen dar. Innerhalb der früh­keltischen Epoche Mittel­europas ist diese Figur einmalig.

Der Übergang von formgebundenen Verfahren auf eine generative Fertigung eröffnet in der Archäologie neue Perspektiven zur wissenschaftlichen Auswertung und zur multiplen Ausstellung von Objekten. Bis vor wenigen Jahren konnten Fund­objekte ausschließlich durch direktes Abformen nachgebildet werden. Dieses Verfahren birgt jedoch immer die Gefahr, die Originale zu beschädigen. Durch die generative 3D-Technik ist es heute möglich, Kopien berührungs­frei anzufertigen. Als spezialisierte Methode zur Digitalisierung von Objekten wurde beim „Unlinger Reiter“ aus der Hallstatt­zeit die Röntgen-Computer­tomografie (CT) angewendet. Der Reiter aus Bronze wurde drei­dimensional geröntgt und mit der Software „VG Studio Max 3.0“ von Volume Graphics ausgewertet.

Abb.: Die 3D-Druckkopie des „Unlinger Reiters“ zeugt von hoher Originaltreue. (Bild: Landesamt für Denkmalpflege, Regierungspräs. Stuttgart)

Abb.: Die 3D-Druckkopie des „Unlinger Reiters“ zeugt von hoher Originaltreue. (Bild: Landesamt für Denkmalpflege, Regierungspräs. Stuttgart)

Die dadurch gewonnenen STL-Daten ermöglichen es, das heutige industrielle Verfahren des 3D-Drucks auf die Archäologie zu übertragen und es dort anzuwenden. Mittlerweile ist der technische Fortschritt bei Material­vielfalt und Druck­genauigkeit enorm. Concept Laser stellte dem Landesamt für Denkmal­pflege Baden-Württemberg für den 3D-Ausdruck seine LaserCUSING-Technologie in Form einer Mlab cusing zur Verfügung. Die Werkstoff-Ingenieure von Concept Laser fanden auch eine, dem Original vergleichbare Bronze­legierung: Eine Kupfer-Zinn-Legierung von heute, die in Bezug auf Dichte und spezifisches Gewicht, ungefähr dem Artefakt aus dem 8./7. Jahrhundert v. Chr. entspricht. Der genaue prozentuale Anteil von Kupfer und Zinn ließ sich noch mithilfe der Röntgen­fluoreszenz­analyse bestimmen. So wurde der „Unlinger Reiter“ aus Bronze berührungs­frei und original­getreu gedruckt. Der nachgebildete Reiter steht dem Originalreiter optisch und haptisch in nichts nach.

Für die Archäologie eröffnet die generative Herstellung von original­getreuen Repliken durch den 3D-Druck neue Perspektiven: Ein metallischer Fund kann zu wissenschaftlichen Zwecken verfügbar bleiben. Gleichzeitig kann seine Kopie in Ausstellungen den Besuchern als Artefakt zugänglich gemacht werden. Ein historisches Fund­objekt kann prinzipiell mehrfach ausgedruckt und genutzt werden. Nur Experten könnten Unterschiede bei der Material­analyse feststellen – denn das Pulver stammt aus der Gegenwart. Auch das Thema Re-Engineering ist kein Tabu: Im Prinzip würde es zukünftig auch möglich werden, ein stark beschädigtes Objekt zu rekonstruieren. Das Objekt könnte dann wieder die ursprüngliche Kontur annehmen, in der es gefertigt wurde. Die zerstörerischen Spuren der Geschichte an einem Objekt können so ausgeblendet werden. Das Objekt­design stammt aus der Vergangenheit der Menschheit und erlaubt uns so einen Blick auf unsere Kultur­geschichte. Der 3D-Druck macht somit Geschichte plastisch erfahrbar.

Concept Laser / DE

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