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  03.09.2010  

Buchrezensionen

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Filk, Giulini: Am Anfang war die Ewigkeit
Am Anfang war die Ewigkeit

Der Zeitbegriff in der Physik ist ein faszinierendes Thema, beziehen sich doch alle dynamischen Gleichungen auf eine Zeit, die wiederum die Form der Gleichungen prägt. Das vorliegende Buch diskutiert den Zeitbegriff und insbesondere das Problem der Zeitmessung auf allgemeinverständlichem Niveau. Titel und Aufmachung lassen den Band eher in der esoterischen Regalecke vermuten; tatsächlich handelt es sich aber um ein hochseriöses Werk, kompetent im Inhalt und eloquent in der Sprache. Verfasst wurde es von zwei Theoretischen Physikern, die über dieses Thema mehrfach Vorlesungen abgehalten haben. Der ursprünglich geplante Titel 'Zeit ist, was man auf einer Uhr abliest' (Einstein) oder kürzer 'Uhr-Zeiten' hätte mir besser gefallen.

Der Band gliedert sich grob in vier Teile. Im ersten ¿ und längsten ¿ Teil geht es um elementare Themen zur Zeit, die man heute in einführenden Werken meist vermisst. Hier wird erklärt, wie man die Erde zur Zeitmessung heranzieht, welche maximale Genauigkeit man damit erreichen kann, und wie die moderne Zeitmessung mit Atomuhren im Einzelnen funktioniert. Der Unterschied zwischen Stern- und Sonnentag wird ebenso erläutert wie der zwischen anomalistischem und tropischem Jahr. Der zweite Teil ist in großer Ausführlichkeit der Speziellen Relativitätstheorie gewidmet. Die einschlägigen Begriffe wie Zeitdilatation und Lorentz-Kontraktion werden genau und verständlich diskutiert. Besondere Sorgfalt gilt dem Unterschied zwischen Konvention und Naturgesetz, der insbesondere bei der Diskussion der Uhrensynchronisation zu beachten ist. Im dritten Teil geht es dann um die Allgemeine Relativitätstheorie. In dieser Theorie wird der Unterschied von Trägheit und Schwere durch die geometrische Beschreibung von Raum und Zeit aufgehoben. Der Uhrengang hängt von der Position im Gravitationsfeld ab, was seine extremsten Konsequenzen bei den ausführlich erörterten Schwarzen Löchern hat. Dem oft von Physikern als Beweis für die Wichtigkeit der Relativitätstheorie im Alltag ins Feld geführte Positionierungssystem GPS wird natürlich auch hier der gebührende Platz eingeräumt; schließlich finden wir ohne Relativitätstheorie nicht nach Hause. Im letzten Teil nähern sich die Autoren dem Buchtitel und spekulieren über die noch ausstehende Vereinheitlichung von Quantentheorie und gravitativer Wechselwirkung. Leider findet hier nur der Vorschlag von James Hartle und Stephen Hawking aus den achtziger Jahren größere Aufmerksamkeit, obwohl dieser heute nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses steht. Bewusst ausgespart (wohl aus Platzgründen) wurde eine Diskussion der Zeitrichtung; hier weckt der Buchtitel falsche Erwartungen.

Der Band wurde mit viel Liebe zum Detail verfasst und angereichert mit kurzweiligen historischen Anmerkungen und wissenschaftstheoretischen Bemerkungen. Der interessierte Leser wird die Lektüre dieses Werkes nicht bereuen.

Prof. Dr. Claus Kiefer, Institut für Theoretische Physik, Universität zu Köln

T. Filk, D. Giulini: Am Anfang war die Ewigkeit
C. H. Beck Verlag, München 2004, 319 S., Geb.,
ISBN 3406521878


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