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  03.09.2010  

Buchrezensionen

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Fischer - Die andere Bildung. Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte


Von E. P. Fischer. 5. Aufl., Ullstein, München 2002. 464 S., Geb.,  ISBN 3-550-07151-5


Die im Buchtitel zum Ausdruck gebrachte "andere" Bildung wendet sich offensichtlich gegen die von Dietrich Schwanitz in dessen Buch "Bildung" geäußerte Meinung, naturwissenschaftliche Kenntnisse würden zwar in der Schule gelehrt, aber sie trügen nur wenig zum Verständnis der Kultur bei. Diese Meinung hat in Deutschland leider eine lange Tradition. Fischer verweist darauf, dass Jürgen Habermas durch seine soziologisch und politisch orientierten Abhandlungen zur Rolle der Naturwissenschaften den Hintergrund für eine Geringschätzung naturwissenschaftlicher Bildung geliefert habe.

Das Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften hat bereits 1959 der Physiker und Schriftsteller C. P. Snow in seinem viel gelesenen Buch "Die zwei Kulturen" diskutiert. Hinsichtlich der auch heute noch virulenten Diskussion versucht Fischer eine Brücke zu schlagen zwischen diesen beiden Bildungsrichtungen.

Dem Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Konstanz gelingt dies in hervorragender Weise durch seine spannend und unterhaltsam geschriebene Analyse der historischen Entwicklung des naturwissenschaftlichen Denkens. Dabei werden die großen ideengeschichtlichen Entwürfe von Kopernikus, Galilei, Descartes, Kepler, Leibniz, Maxwell, Einstein, Planck, Schrödinger und Heisenberg nicht nur als geniale fachspezifische Leistungen, sondern auch gerade als kulturelle Ereignisse herausgestellt.

Dieses Konzept, die Geschichte der Naturwissenschaften als wesentlichen Teil der abendländischen Kulturgeschichte zu verstehen, ist das stärkste Argument Fischers gegen die arrogante These, die Naturwissenschaften trügen wenig zum Verständnis der Kultur bei.

Im Unterschied zu der betont effekthascherischen Darstellung der Bildungsinhalte bei Schwanitz besticht bei Fischer die klare wissenschaftstheoretische Reflexion im Popperschen Sinne der physikalischen Begriffs- und Theorienbildung und ihre Projektion auf die Wirklichkeit. Dies zeigt sich besonders bei seinen Ausführungen über die Interpretation der Quantenmechanik.Auch die Kapitel über die biologische Evolution eröffnen tiefgehende Einblicke in die kulturellen Leistungen des naturwissenschaftlichen Denkens.
Eine aktuelle Bedeutung kommt dem Buch im Hinblick auf die vieldiskutierte Pisa-Studie zu.
Prof. Dr. Wilfried Kuhn, Villmar


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